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1. Vorschlag zum möglichen Verlauf eines Unterrichtsvorhabens (didaktische Grobstruktur) 2. Lohnt die Mühe? Legitimation der Arbeit an und zu Fotogrammkunst 3. Materialen und Arbeitsblätter für den Unterricht (Kopiervorlagen) 4. Impressionen aus dem laufenden Unterricht
1. Vorschlag für eine didaktische Struktur [nach oben] Eine Unterrichtsreihe kann als didaktische Grobstruktur ein Lernen ausgehend von praktischen Arbeiten über die Werkbetrachtung namhafter Fotogrammkünstler und deren Konzepte hin zur kunsthistorischen Einordnung dieser Art von künstlerischer Produktion verfolgen. Methodisch bietet sich die Einbettung in einer Portfolioarbeit in Form einer Werkmappe an, d.h. die Schüler dokumentieren ihren Lernprozess in einer Sammlung praktischer Arbeiten mit Skizzen und Vorüberlegungen sowie deren schriftliche Reflexionen. Klassenunterricht sowie freie und praktische Arbeit am Wahlaufgabenkatalog können sich dabei abwechseln, so dass der Unterricht gleich zweifach durch die methodische Figur von Produktion und Reflexion geprägt ist. Zu Beginn kann die experimentelle Aneignung der gestalterischen Mittel im Vordergrund stehen und die Schüler können sich mit der Laborarbeit vertraut machen. Gleichzeitig bietet sich die Schaffung eines Zugangs zur Fotogrammkunst anhand Moholy-Nagys und Rays Arbeiten an, von dem aus sich Gestaltungsimpulse für die ersten Experimente der Schüler ergeben. Mittels des entdeckenden Lernens sollten anschließend weitere Gestaltungsgrundlagen wie Steuerung des Schwärzungsgrades oder kompositorische Aspekte erarbeitet werden, die sogleich in Praxisarbeiten motivisch nutzbar zu machen sind. Weitere Werkbetrachtungen von Ray und Schad können sich hier anschließen. Die Einbindung der Künstlerkonzepte sollte in progressiver Weise verlaufen: Über die eher ganzheitlichen Formen aus dem Oeuvre von Ray und Moholy-Nagy, die nebulösen Arrangements von Schad bis hin zur zeichenhaften Arbeit Hausmanns lässt sich der "Verfremdungsgrad" in den Fotogrammen gesteigert präsentieren. Hausmanns innovativer Gestaltungsprozess der "Photopiktogramme" bietet sich dabei an, um die Rolle des Materials zur Findung von Arbeitsideen zu reflektieren. Ein solches Vorgehen erscheint auch deshalb günstig, weil die Schüler – teils wettbewerbsartig – stetig auf der Suche nach Ideen für eigene Fotogramme sind. Da sie sich über die Wahlaufgaben der Werkmappe – als weitere Verquickung von Produktion und Reflexion – teils Vorerfahrungen zu den Arbeitsweisen der Künstler schaffen, können sie diese gewinnbringend in den Unterricht einbringen. Dabei sollte es vor allem auch darum gehen, dass sie die konzeptuellen Unterschiede der Arbeiten und deren Ideenfindungsprozesse erkennen, differenziert und bewusst wahrnehmen und am Bild nachweisen können. Über die weitere Arbeit an den Künstlerkonzepten, werktranszendente Bildbetrachtungen und eine kunsthistorische Einordnung der Arbeiten in den folgenden Stunden können die Schüler sukzessive ihre Fähigkeit zur Beurteilung von Fotogrammkunst entwickeln. Gleichzeitig ist über die Arbeit am Wahlaufgabenkatalog auch eine kontinuierliche Erweiterung ihres gestalterischen Repertoires sinnvoll, um ihnen eine Wirkungssteigerung in ihren Praxisarbeiten zu ermöglichen und diese reflektieren zu können. Zum Ende des Unterrichtsvorhabens kann nach dem Abschluss der Arbeit an den Werkmappen deren Austausch untereinander sowie eine kritische Betrachtung der Lernschritte von Schülerseite sinnvoll sein.
2. Legitimation der Arbeit an und zu Fotogrammkunst [nach oben] Die Einheit „Kameralose Fotografie“ ist je nach Festlegungen von Lehrplänen und Curricula in den einzelnen Ländern tendenziell eher den freien Themen zuzuordnen, die mit alternativ-verbindlichen oder selbst gebildeten Themenkreisen ausgestaltet werden können. Sie besitzt Schnittmengen zum Thema „Bild der Fotografie" und kann je nach Schülerwünschen dorthin erweitert werden, was sich im Sinne organischen Unterrichts auch durch einige Wahlaufgaben der Portfolioarbeit abzeichnet. Das Fotogrammthema als "didaktische Setzung" bietet sich beispielsweise für den Jahrgang 10 als Einstiegsreihe an und erscheint auch unter Motivationsaspekten günstig (s.u.). Ferner ist eine kunsthistorische Anbindung möglich (Moderne, Dadaismus, Surrealismus), die auf Verbindungen zum Fach Geschichte abzielt und ein vernetzendes Lernen ermöglicht. Der Alltag vieler Schüler ist aufgrund der Medien vom Verlust sinnlicher Wahrnehmung geprägt. Dem stellt die Unterrichtseinheit Primärerfahrungen gegenüber. Auf der Suche nach Fundstücken für innovative Bildwirkungen schärfen die Schüler ihre Sinne für Gegenstandsqualitäten. Sie entwickeln einen fremden Blick, reduzieren Objekte auf deren Stofflichkeit, Kontur oder Transparenz und lassen sich zu Fotogrammideen anregen. Daraus ergibt sich eine Zukunftsbedeutung, nicht nur, weil die dabei entwickelten kreativen Fähigkeiten für späteren Unterricht bedeutsam sind, sondern weil sie in vielen Berufsfeldern eine Rolle spielen. Eine exemplarische Bedeutung ergibt sich in zweierlei Hinsicht. Einerseits durchlaufen die Schüler von Experimenten angefangen bis hin zu konzeptuell durchdachten Arrangements eine ähnliche Entwicklung wie Fotogrammkünstler, stellvertretend für künstlerische Prozesse im Allgemeinen. Andererseits eröffnet sich ihnen durch das zunehmend ungegenständliche Arbeiten ein Zugang zu moderner Kunst. Infolge der didaktischen Grobstruktur lernen sie, Objekte mit Bedeutungen aufzuladen, was zudem ihre Imaginationsfähigkeit fördert. Eine Zugänglichkeit ergibt sich aus der beherrschbaren Technik heraus. Es motiviert die Schüler, wenn sie zügig zu ansprechenden Ergebnissen gelangen. Ferner bestehen wegen mangelnder Vorerfahrungen auch kaum innere Blockaden. Nicht zuletzt kommen die Bildwirkungen der Altersklasse entgegen, die in einer Zeit intensiver Persönlichkeitsentwicklungen eine Affinität zu Fremdartigem aufweist, was ein hohes Unterrichtsinteresse versprechen lässt.
3. Materialien für den Unterricht (Kopiervorlagen) [nach oben]
Unverzichtbar in jeder Klassenstufe: die Sicherheitsbelehrung. Am besten in zweifacher Ausführung austeilen, gemeinsam besprechen und ein von den Schülern unterschriebenes Exemplar wieder einsammeln.
"Die Werkmappe im Überblick": Kleine Einstiegsanleitung gedacht für Schüler, denen die Portfoliomethode nicht mehr gänzlich unbekannt ist. Betreten die Schüler hier methodisches Neuland, kann die spezifische Ausprägung der Portfolioarbeit als "Werkmappe" im Kunstunterricht auch in dieser reduzierten Form erstmals eingeführt werden.
Vermeidet (kostspielige) Fehlbelichtungen des Fotopapiers. Nach erfolgreicher Einweisung können Schüler selbst die Verantwortung für die Packungen übernehmen und das Papier an ihre Mitschüler verteilen. Zugleich als Arbeitshilfe für spätere kompositorische Vorübungen anhand eines Übungsstückes.
Hier erarbeiten die Schüler Faktoren, die den Schwärzungsgrad des Fotopapiers beeinflussen. Dieser Arbeitsschritt sollte sich an die ersten freien Experimente anschließen, um den Lernenden zügig gezielte Gestaltungen zu ermöglichen.
Eine kleine "Anleitung" zur Perceptbildung, die während der ersten Bildbetrachtungen u.a. auch den unbeeinflussten Zugang zu Fotogrammkunst erleichtert. Fruchtbar auch in Verbindung mit dem Analyseinstrumentarium zur Fotografie (siehe Materialien Kunstunterricht).
Diese Arbeitsblätter bilden den "Kern" der Werkmappe und sollten zu Beginn der eigenständigen Arbeitsphase ausgeteilt werden: Wahlaufgabenkatalog mit Differenzierungsmaterial, Informationen zum Ablauf der eigenständigen Arbeitsphase, Hinweise zu den Reflexionen sowie die Reflexionsbögen selbst. Einige der Bögen sollten in mehrfacher Klassensatzstärke kopiert und zu jeder Stunde im Fachraum ausgelegt werden.
Hier entwickeln die Schüler Grundsätze für spannungsreiche Fotogrammgestaltungen und erweitern so ihr gestalterisches Repertoire. Das hierbei erworbene Wissen spielt natürlich nicht nur für den Arbeitsbereich Fotografie eine wichtige Rolle.
Hierbei setzen sich die Schüler in Kleingruppen mit der Arbeitsweise namhafter Fotogrammkünstler auseinander, isolieren deren wesentliche Gestaltungsgrundsätze und weisen diese an Fotogrammbeispielen nach. Im Anschluss vergleichen sie die Arbeitsweisen miteinander und beurteilen diese vor dem Hintergrund der eigenen Fotogrammpraxis.
Ob Timereinstellung, Rotlichtfilter oder Lichtstärke: mithilfe dieser Informationen können die Schüler ihren Umgang mit dem Vergrößerungsgerät verfeinern. Besonders geeignet dann, wenn aufgrund von Zeitknappheit nicht alles Einzelfunktionen der Geräte selbst entdeckt werden können.
Mithilfe dieser Reizworte, die in Karten- oder Listenform auszuteilen sind, trainieren die Schüler ihren präzisen fachsprachlichen Ausdruck. Ferner erleichtern die Vokabeln allgemein das Sprechen über die Bildgestaltungen. Mancher Terminus prägt sich dabei sicher ganz von allein ein.
Zwei Differenzierungsmaterialien, die in unterschiedlichen Unterrichtssituationen je nach Zielsetzung flexibel einsetzbar sind. Vorausgesetzte Kompetenzen sind jeweils das Durchführungen schriftlicher Bildbetrachtungen sowie das Schreiben von Verlaufs- und Ergebnisprotokollen.
Ideensteinbrüche: Zielkorridore + Arbeitsmöglichkeiten (Mindmaps)
4. Impressionen aus dem laufenden Unterricht [nach oben]
Arbeitsbeispiele: Auszüge aus Werkmappen einer 10. Klasse
Arbeitsbeispiele: Freie Experimente im Rahmen einer Foto-AG [nach oben]
© Frank Kretschmann, Hameln. 2004-2008. |