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Grundregeln zur Verbesserung des Ausdrucks in Aufsätzen

In schriftlichen Texten und Aufsätzen lässt sich schnell eine deutliche Verbesserung des sprachlichen Ausdrucks erreichen, wenn folgende vier Grundregeln beherzigt werden:

 

1 – Abwechslung in der Wortwahl

Grundsätzlich sollte man auf ausdrucksarme Verben wie tun, machen, gehen, haben, sagen, sehen verzichten und stattdessen Worte wählen, die das Gemeinte genauer bezeichnen.

sagen

haben

machen

mitteilen, fragen

zurufen

ausrichten

besitzen

empfinden

leiden unter

herstellen

ausführen, verrichten

bereiten

Wie kommt man auf diese Alternativen? Hier hilft entweder ein Lexikon der Synonyme, wo man einfach unter dem betreffenden „Allerweltswort“ wie haben nachschlägt oder man betreibt die so genannte Wortfeldarbeit. Ein Wortfeld besteht aus Wörtern (Substantive, Verben, Adjektive) oder Wendungen mit ähnlicher oder gleicher Bedeutung. Wenn man seinen Wortschatz bereichern will, sollte man immer wieder spielerisch Wortfelder anlegen.

Beispiel für das Wortfeld gehen

laufen, rennen, hasten, eilen, humpeln, hinken, schleichen…

Beispiel für das Wortfeld sagen

flüstern, behaupten, schreiben, lispeln, murmeln, sprechen

Beispiele für das Wortfeld ängstlich

feige, bange, schüchtern, verzagt, mutlos, scheu

Eine weitere Möglichkeit bietet sich mit den Wortfamilien. Sie bestehen aus Wörtern, die miteinander verwandt sind und einen gemeinsamen Wortstamm besitzen. Durch zusätzliche Silben oder Zusammensetzungen wird die Bedeutung verändert.

Beispiel für die Wortfamilie fahren

Fahrt, Fahrer, Fahrzeug, zurückfahren, Gefahr, gefährlich, fahrbar…

Beispiel für die Wortfamilie fliegen

Fliege, Flugzeug, Flügel, beflügeln, Abflug flugbereit, abfliegen.

Anwendung: Lege jeweils fünf Wortfelder und Wortfamilien mit mindestens fünf Wörtern an.

 

2 – Genauigkeit in der Formulierung und der Wortwahl

Mittels Wortfelder und Wortfamilien lässt sich schnell ein genaueres und treffendes Wort für den zu beschreibenden Sachverhalt finden. Gleichzeitig bieten sich Möglichkeiten, einen Satz umzuformulieren. Damit schlägt man gleich zwei Fliegen mit einer Klappe. Denn eine andere Formulierung ist nicht nur abwechslungsreicher, sondern oft auch genauer. Außerdem kommen einem automatisch Ideen für neue Wörter.

Wir fahren mit dem Auto.

à Wortfamilie fahren

Wir unternehmen eine Fahrt. Wir benutzen ein Fahrzeug. Wir fahren zurück. Wir besitzen einen fahrbaren Untersatz.  

Die Genauigkeit deines Ausdrucks lässt sich auch durch Adverbien, Konjunktionen und Präpositionen steigern. Hier ein Beispiel für den Ausdruck zeitlicher Zusammenhänge:

Vorzeitigkeit und Anfang

bevor, vorher, zuerst, zunächst, als Erstes, vor, anfänglich…

Gleichzeitigkeit

jetzt, nun, in diesem Augenblick, während, inzwischen…

Nachzeitigkeit und Schluss

danach, nachdem, hinterher, anschließend, und dann, nach, abschließend, zu guter Letzt, schließlich, später…

Eine Regel zur Genauigkeit: Eine Formulierung oder ein Wort ist gegenüber einer anderen Formulierung dann genauer, wenn man sich das, was gemeint ist, besser vorstellen kann.

 

Er ging durch den Park.

Grundinformation!

Er eilte durch den Park. (Wortfeld)

… zusätzlich: er war in Zeitnot, flüchtete etc.

Im Park geriet er in Eile.

(Wortfamilie)

… zusätzlich:  er beschleunigte sein Vorwärtskommen beim Betreten des Parks etc.

Erst im Park geriet er in Eile.

Abends im Park geriet er in Eile.

(Wortfamilie + Adverb)

… zusätzlich:  erst im Park wurde ihm bewusst, wie weit, dunkel, unsicher … sein Weg war etc.

Anwendung: Formuliere Beispielsätze und steigere die Genauigkeit in ähnlicher Weise!

 

3 – Verknüpfung, Zusammenfassung oder Ausschmückung von Inhalten  

Hierbei gilt es zu unterscheiden, welcher Textsorte das Geschriebene angehören soll. Bei Berichten, sachlichen Darstellungen, Inhaltsangeben usw. kommt es darauf an, sich auf das Wesentliche zu beschränken. Hierbei muss die Satz- und Textlänge durch Verknüpfung und Zusammenfassung gekürzt werden. Beispiel.  

Aufzählung

Zusammenfassung (Oberbegriff)

Stift, Kuli, Füller, Filzstift

radeln, rennen, schwimmen

lärmend, grölend, polternd

≈ Schreibzeug

≈ sich fortbewegen

 

≈ laut

Anwendung: Finde Aufzählungen für jeweils fünf Oberbegriffe (Verben und Nomen).

In (Erlebnis-) Erzählungen, Tagebucheinträgen, persönlichen Briefen usw. geht es eher um eine lebhafte Ausschmückung und Erweiterung des Geschriebenen. Der Leser soll sich das Ganze bildlich vorstellen können. Besonders hilfreich sind hier die Adjektive als so genannte „Interessantmacher“. Aber auch Attribute, Einschübe und nachgestellte Erläuterungen helfen zur Ausschmückung.

 Knappe Fassung

Ausgeschmückte Fassung / Erweiterung

Der Kommissar lehnte sich an eine Mauer, begann zu rauchen und überlegte, wie er den Mörder dingfest machen könnte. 

Der alte Kommissar lehnte sich an eine mit Moos bewachsene Mauer, die schon einige Risse aufwies, begann eine der stark riechenden Zigarren zu rauchen und überlegt angestrengt, wie er den gemeinen Mörder schnell dingfest machen könnte. 

Anwendung: Bestimme die Erweiterungen im obigen Beispiel. Formuliere selbst Sätze in knapper und ausgeschmückter Fassung.

 

4 – Ausdrucksverbesserung im Satzbau

Generell kann der Satzbau durch Umstellproben (Erweiterungsprobe, Ersatzprobe, Weglassprobe, Umstellprobe) verbessert werden. Es ist von Bedeutung, einen Text aus kurzen und langen Sätzen, Satzreihen (Parataxen) und Satzgefügen (Hypotaxen) aufzubauen. Hierbei gilt es sinnvoll abzuwechseln und verschiedene Konjunktionen einzusetzen.

Satzreihe (Hauptsatz, Hauptsatz)

Satzgefüge (mind. 1x Hauptsatz, 1x Nebensatz)

Das Bild war fertig, es sollte ausgestellt werden. (ohne Konjunktion)

Es gibt schlechtes Wetter, wenn die Bewölkung zunimmt. (unterordnende Konjunktion)

Hans ist verschuldet, doch er forscht weiter. (nebenordnende Konjunktion)

Den Computer, der seit Tagen im Angebot war, wollte er sich noch sichern. (Relativpronomen)

Anwendung: Formuliere aus einem Text Satzreihen und Satzgefüge jeweils ineinander um.

Zu viele ineinander verschachtelte Nebensätze sind zu vermeiden, da sich leicht Fehler einschleichen. Faustregel: Nach drei Zeilen kommt spätestens ein neuer Satz!

 

Ferner gilt es einige Feinheiten zum Schreibstil zu beachten. So solltest du z.B. den Nominalstil vermeiden, bei dem eher Nomen statt Vollverben benutzt werden. Der Nominalstil wirkt kühl, objektiv und wenig anschaulich. Außerdem solltest du aktivisch formulieren.

 

Nominalstil:                 Die Weigerung des Schülers führte zu einer Verärgerung des Lehrers.

Verbalstil:                    Der Schüler weigerte sich, was den Lehrer sehr verärgerte.

Passiver Ausdruck:    Das Treffen wird gegen 18 Uhr beendet sein.

Aktiver Ausdruck:       Wir beenden das Treffen gegen 18 Uhr.

 

Für weitere Fragen zum Schreibstil wendest du dich an die Lehrkraft!

(Eine Druckversion (pdf) kann hier herunter geladen werden)

 

© Frank Kretschmann, Hameln. 2004-2008.