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Wo sind sie, die sparsamen Autos?

 In Zeiten hoher Benzinpreise sind die Verbraucher gekniffen, weil die Politik die absehbare Energiepreisentwicklung verschlafen hat und die deutsche Autoindustrie aufgrund jahrelanger Fehlinvestitionen nicht in der Lage ist, verbrauchsgünstige Fahrzeuge anzubieten.

Aktuelle Worte des Bundeswirtschaftsministers (a.D) Glos.:

Wenn die Deutschen den Fehler machen und mit dem Neuwagenkauf auf die Autos warten wollten, die wir heute schon bräuchten, läge bis dahin nicht nur die deutsche Autoindustrie am Boden!  (So viel zum Verständnis der Abwrackprämie)

 Werbung, so heißt es, soll sich an den Interessen und Bedürfnissen einer möglichst großen Zielgruppe orientieren und gezielt Kaufbedürfnisse wecken. Doch davon scheint die aktuelle Autoreklame in Deutschland meilenweit entfernt zu sein. Schon ein flüchtiger Blick in Zeitungsannoncen, Internet- oder Fernsehwerbung lässt das eindrucksvoll deutlich werden. Fast ausschließlich wirbt man dort für kraftvolle Sportboliden, Sprit fressende Crossover-Modelle oder schwere Luxusfahrzeuge.

Doch nicht die Werbeagenturen sind hier zu kritisieren, sondern die Autohersteller selbst, allen voran die in Deutschland ansässigen. Denn angesichts der stetig steigenden Energiepreise können sich immer weniger die Betankung solcher Autos leisten.

Auch unsere hoch bezahlten Politiker schauen lethargisch zu: An der Besteuerung der Kraftstoffe soll nicht gerüttelt werden, darüber hinaus belastet man die Verbrauchereinkommen lieber zusätzlich mit der Abschaffung der Pendlerpauschale.

Schon fast gleichgültig blicken diese auf die Preise an den Zapfsäulen. Vielen ist klar, dass es sich nur um eine Momentaufnahme auf dem Weg nach oben handelt. Der Ölpreis schockt inzwischen niemanden mehr.

Natürlich haben die hohen Benzinpreise auch ihre positiven Seiten: Denn in ökologischer Hinsicht zwingen sie uns mittel- und langfristig zu einem nachhaltigen Umdenken über das Portemonnaie: Weg von der Energie fressenden, transport- und importorientierten Wirtschaft hin zu einer verstärkt lokal und regional geprägten Arbeits- und Produktionswelt. Auf lange Sicht sicherlich auch volkswirtschaftlich positiv. Kurzfristig allerdings ist der Spritpreis eine Katastrophe für den kleinen Mann.

 

Dafür werden Autos gebaut, die keiner braucht. So ist beispielsweise die Start-Stopp-Automatik längst ausgereift, wird aber nicht flächendeckend eingebaut. Millionen Liter Kraftstoffe und damit Euros könnten eingespart werden, wenn moderne Autos beim verkehrsbedingten Warten an Ampeln und Kreuzungen nicht im Leerlauf surrten. 

Solche Fahrzeuge sind es, die Millionen interessieren, aber pardon! – Benzin sparende Autos sind nicht im Angebot! Im Gegenteil: Man bremste den Vertrieb von 3-Liter-Modellen wie dem Lupo in den vergangenen Jahren durch Provisionskürzungen, verhinderte ihn später sogar wegen angeblicher Lieferschwierigkeiten. Gerade einmal 30.000 Stück wurden davon verkauft.

 

Auch die Politik hat ihre Hausaufgaben nicht gemacht und die aktuellen Entwicklungen an den Rohstoff- und vor allem Energiemärkten hoffnungslos verschlafen. Schließlich war und ist die Endlichkeit der fossilen Brennstoffe absehbar und Preissteigerung aufgrund des geringeren Angebotes vorprogrammiert.

Gerade ein Hochtechnologieland wie Deutschland könnte heute deutlich unabhängiger von OPEC-Importen sein. Alternative Technologien für Verkehr und Transport liegen zuhauf in den Entwicklerschubladen oder werden gerade erst von Kinderkrankheiten befreit. Von einer flächendeckenden Praxis- und Alltagstauglichkeit sind sie allerdings weit entfernt.

Nicht zuletzt hat speziell die deutsche Autoindustrie mit ihrer Vogel-Strauß-Taktik in dieser Hinsicht den Anschluss schlichtweg verpasst: So kommt es, dass Deutschland heute komfortable 4-Liter-Hybrid-Mittelklassemodelle wie den Toyota Prius aus Japan importieren muss, während die Autoverkäufer verzweifelt versuchen, die deutschen hochgerüsteten, Sprit schluckenden Crossover-Fahrzeuge an Neuwageninteressenten zu verkaufen. Immer wenigen können sich deren Benzin- und Dieselverbrauch leisten, insofern bleibt fraglich, ob sich diese „Innovationen“ für die Konzerne amortisieren werden.

Jahrelange wurden Milliarden in die Hochrüstung des Dieselmotors gesteckt, damit dieser spritzig und kraftvoll schwere Citykreuzer antreiben kann. Die Politik sah gleichgültig zu. Investitionen in die falsche Richtung, denn nun sind alternative und ökologische Konzepte wie Hybrid, Wasserstoffmotor, Brennstoffzelle oder Leichtfahrzeuge mit hohem Kunststoffanteil in der Karosserie nicht ausgereift genug, um dem Verbraucher echte Entlastung im Portemonnaie zu bieten.

Äußerst schade, denn nicht zuletzt wird diese Entwicklung Arbeitsplätze und damit Wohlstand in Deutschland kosten. Autofahren entwickelt sich überdies wohl mehr und mehr zu einer sozialen Frage, zumindest solang, bis die Technologiedefizite aufgeholt sein werden.

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Weitere relevante Beiträge: "Aus für die Spritfresser" (SZ, 26.07.2008)

 

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© Frank Kretschmann, Hameln. 2004-2009.