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Servicerufnummern avancieren zur Volksplage

 

Abkassiererei greift um sich

Flatrate ade: Ein Preisgifel jagt den nächsten

Warum ist das so? Die Zeche zahlen die Kunden

"Roter Punkt-Aktion" im Telefoniebereich starten

 

Abkassiererei greift um sich

Vom Verbraucher bisher kaum bemerkt mischen sich seit Jahren so genannte Servicerufnummern wie z.B. die 0180er-Vorwahlen in die Telekommunikationslandschaft ein. Viele Unternehmen sind nicht mehr über normale Festnetznummern zu erreichen, sondern nur noch über die Anwahl einer 0180er-Nummer.  

Das ursprünglich dahinter stehende Konzept des Shared costs möchte die Kosten zwischen Anrufer und Angerufenem aufteilen, d.h. beide Seiten sollen je anteilig für den Anruf zahlen. Eigentlich eine gute Idee, aber eben nur eigentlich! Denn in Zeiten günstiger Festnetz- und Flatrate-Tarife gehört das Konzept in die Mottenkiste!

In welchem Verhältnis dieses Splitting erfolgt, regelt die Ziffer, welche sich direkt an die 0180er Vorwahl anschließt. Schließt sich an die 0180er Vorwahl eine vier an, kann das bereits unverhältnismäßig teuer werden. Hierbei kostet der Anruf 0,20 €, unabhängig von der Dauer des Gespräches. Da solche Service- oder Bestellanrufe in der Regel eher in Größenordnungen von wenigen Minuten verlaufen, ist diese Verbindung über 100 % teurer als der durchschnittliche Ferngesprächstarif während der Hauptzeit.

Richtig tief muss der Anrufer allerdings in die Tasche greifen, sobald er 0180-5 – Rufnummern wählt. Für diese Anwahl werden aus dem Festnetz der deutschen Telekom stolze 0,12 € je angefangene Minute fällig. Dieser Tarif wurde vor einiger Zeit sogar auf 0,14 € erhöht.

 

Beispiel für Tarife im Festnetz (Deutsche Telekom)

Deutsche Telekom - Verbindungen zu Servicerufnummern werden wie folgt berechnet:*

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0180 1

0,04 Euro je angefangene Minute

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0180 2

0,06 Euro pro Anruf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0180 3

0,09 Euro je angefangene Minute

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0180 4

0,20 Euro pro Anruf

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

0180 5

0,14 Euro je angefangene Minute

 

 

 

 

 

 

(Quelle: Deutsche Telekom Preis- und Leistungsverzeichnis)

 

Flatrate ade: Ein Preisgipfel jagt den nächsten

Rufnummern mit 0180-5- verursachen damit generell höhere Kosten als der kostspieligste Ferntarif des teuersten Festnetzanbieters bzw. die sonst kostenlose Flatrate. Ferner gilt für solche Verbindungen nur ein Abrechnungszeitraum. Dementsprechend verursachen diese Rufnummern auch abends und am Wochenende Kosten wie zur Hauptzeit und liegen damit allein aus dem Festnetz durchschnittlich 200 % über dem Preisniveau des vergleichbaren nationalen Tarifs.

Den preislichen Gipfel bilden allerdings die mit der Telekom konkurrierenden Festnetzanbieter sowie die Mobilfunkbetreiber. Bei diesen gilt für 0180er Verbindungen nicht das Shared Costs-Prinzip, sondern es kommen eigene Tarifstrukturen für Sonderrufnummern zur Anwendung. Dabei liegt der Preis nahezu unabhängig von der nachfolgenden Ziffer nach der 0180 bei durchschnittlich 0,50 € pro Minute. Hinzu kommen verschiedene einmalige Verbindungsaufschläge in Größenordnungen um ca. 0,20 €. Selbst sonst günstige Mobilfunkanbieter berechnen für eine 0180-5 Verbindungen stolze 0,60 € pro Minute. Der kurze Bestellanruf wird somit zum kostspieligen Vergnügen. Für sich genommen sind das zwar nur kleine Beträge, doch diese summieren sich im Laufe eines Monats zusammen.

 

Beispiel für Tarife in Mobilfunknetzen (Vodafone)

Service 0180 =  0,72 Euro / Minute

(0,60 Euro ohne MwSt.)

(Quelle: Vodafone D2 GmbH, InfoDok)

 

Warum ist das so? Die Zeche zahlen die Kunden

Unternehmen nutzen die 0180er-Nummern größtenteils wegen ihrer positiven Eigenschaften im Vertrieb. Sie können damit z.B. kostenlose Weiterleitungen von Call-Center zu Call-Center durchführen, ohne dass der Kunde das merkt. So lassen sich  Anrufe in überlasteten Telefonzentralen blitzschnell woanders hin leiten. Ferner können damit Statistiken, beispielsweise über das Anrufvolumen, leichter erstellt und gebündelt werden. Doch der Betrieb einer Servicerufnummer kostet. Und die Zeche zahlen die Kunden.

Einige Anbieter werben offensiv mit der kostenlosen Einrichtung von Servicerufnummern für Betriebe und Gewerbetreibende. Die laufenden Kosten werden durch die Anrufergebühren wieder hereingespült. Besonders dreist: Die angerufenen Firmen verdienen teilweise an jedem Anruf mit!

 

Beispielwerbung für Servicerufnummern

Sie möchten eine Servicenummer für Ihren Kunden- anfragen- oder Bestellungen nutzen? Dann können wir Ihnen die Schaltung einer 0180 5-Nummer empfehlen. Bei dieser Nummer zahlt der Kunde 14 Cent/Min. und Sie verdienen an jeder Minute mit! Sie erhalten einen Werbekostenzuschuss (WKZ) als Gutschrift jeden Monat auf Ihr Konto. Auch diese Nummer richtet Ihnen Service- nummern4you schnell und kostenlos ein.


Beispiel:

Nummer

Kosten für den Anrufer

Ausschüttung brutto

0180-5

14 Cent/Min

ab 2 Cent/Min.

0180-3

9 Cent/Min.

ab 1,5 Cent/Min.

(Quelle: http://servicenummer4you.de/0180-nummer-bestellen.html )

 

Gerade die 0180-5-Service-Calls finden deshalb sprunghaft Verbreitung. Ob Ticketorder, Telefonbanking, Kundenservice oder Bestellannahme – überall lauern inzwischen die teuren Verbindungen. Selbst öffentliche Einrichtungen wie Verkehrsvereine oder das Theater um die Ecke schrecken vor den 0180ern nicht zurück und bürden dem Verbraucher damit unnötige Kosten auf.  

Da sich die Preisangabe in Prospekten, Werbung oder dem Internet grundsätzlich auf den Tarif aus dem Festnetz der deutschen Telekom bezieht, ist diese Angabe in einer pluralistischen Telekommunikationslandschaft reine Makulatur.

Kaum ein Nicht-Telekom-Nutzer kennt die Preise seines Anbieters en detail. Über die tatsächlichen Kosten bleibt der Verbraucher im Wesentlichen im Unklaren. Nur wenige Tarifprospekte schließen die Preise für Servicerufnummern mit ein. Auf den entsprechenden Webseiten braucht es schon einige Geduld, bis man die gewünschten Informationen gefunden hat.

Und es kommt noch dicker: 0700 oder spezielle Rufnummern wie 01818 10 00 (beispielsweise von Banken zur Beratung oder Sperrung von EC- oder Kreditkarten) warten mit neuen Kostenfallen auf. Die Tarife sind dem Endkunden in der Regel völlig unbekannt.

 

Eine beliebiger Griff ins Produktregal: Anrufer aus Deutschland zahlen 0,14 € / Min., für Anrufer aus Österreich ist das Gespräch über eine 0800er-Nummer hingegen gratis

 

Warum so teuer? Eine normale Festnetzrufnummer wäre bei jedem Anbieter mit geringeren Anrufkosten verbunden.

 

„Roter-Punkt-Aktion“ im Telefoniebereich starten!

Das Bewusstsein des Verbrauches schärft sich indessen stetig. Immer mehr Anrufer schrecken zu Recht vor solchen Verbindungen zurück. Hierbei müssen insbesondere Unternehmen im Vertrieb frühzeitig gegensteuern, wenn sie sich nicht ins eigene Fleisch schneiden möchten.

Für einen guten Kundenservice reicht die für den Anrufer wesentlich günstigere normale Festnetzrufnummer vollkommen aus. Sollen als Anreiz besondere Konditionen geboten werden, erweisen sich die für den Anrufer kostenlosen 0800er-Rufnummern als die bessere Alternative.

Ein Tipp für Kostengebeutelte: Suchen sie die normale Festnetzrufnummer des betreffenden Unternehmens manuell heraus (z.B. über das Telefonbuch oder die Internetadresse unter >Kontakt) und lassen sie sich über die jeweilige Telefonzentrale oder den Empfang in das betreffende Call-Center weiter verbinden. Machen Sie das Unternehmen auf die hohen Anrufkosten aufmerksam! Oder sie bitten per Mail um Rückruf auf ihrer Festnetzrufnummer! Stillschweigend akzeptieren sollten sie diese Abkassiererei auf keinen Fall!

Im Zweifelfall sollte man verstärkt Dienstleistungen von Unternehmen in Anspruch nehmen, die keine Servicerufnummern verwenden!!

 

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© Frank Kretschmann, Hameln. 2004-2009.