![]() ![]() ![]() |
|
|
|
Eingangsbereich und Empfangshalle Gliederung und Aufbau des Gebäudes Innenausstattung der Sonderräume
Eingangsbereich und Empfangshalle Begrüßt wird der Besucher hier in einer großzügig angelegten, hohen Wandelhalle, die auf sechs Stahlträgern ruht. Unmittelbar auffällig sind die Gestaltungselemente von William Engelen (NL), der die Sichtbetonflächen im Innenbereich mit Informationen über Stadt und Landkreis künstlerisch-grafisch aufgewertet hat und das Gebäude somit zu einem „begehbaren Lexikon“ werden lässt.
Der Gesamteindruck des Gebäudes ist offen, da der Eingangsbereich feuertechnisch nicht als Fluchtweg gilt; es existieren keine die Sicht hemmenden Feuerschutztüren. Mit dem Blick nach oben erhält der Besucher Einsicht in die galerieartig angelegten Flurüberwegungen zwischen den Gebäudeteilen und damit einen Eindruck von der Gesamthöhe des Gebäudes. Diese sind mit dicken Stahlsträngen an der Deckenkonstruktion befestigt und wirken dadurch ebenfalls sehr leicht. Statisch betrachtet ruht die Eingangshalle auf den sechs Trägersäulen. Sie stützen die Dachkonstruktion, an der die Flurüberwegungen in ihrer Hauptlast hängen. Auch das Gesamtgewicht der beiden verglasten Außenwände lastet im Wesentlichen an der Dachkonstruktion und nicht auf dem Boden. Dadurch konnten die Verstrebungen zwischen den Gläsern filigraner gestaltet werden. Die Trägersäulen sind nicht als klassische Pylone angelegt, sondern verfügen über einen sternförmigen Grundriss, wodurch sie weniger massiv wirken. Sie sind mit einem Lack beschichtet, der im Feuerfall aufquillt und den Stahl ca. 30 Minuten lang vor dem Schmelzen und Wegknicken bewahrt. Auf diese Weise kann die Halle zumindest theoretisch auch im Brandfall noch betreten werden. Ein Rauchabzug ist in der Eingangshalle nicht vorhanden, jedoch zählt dieser Bereich aufgrund seiner Materialstruktur nicht zu den primären Brandverursachern.
Der Besucher betritt das Gebäude fußläufig oder über den Parkplatz über je eine automatische Schwingtür mit kleinem Windfang. Auf eine Schleusenkonstruktion wurde verzichtet, da hier eine Tunnellänge von mindestens sieben Metern erforderlich wäre (Schließung von Tür 1 vor Öffnung von Tür 2), welche die in ihrer Breite eher gering dimensionierte Halle optisch überfrachtet hätte. Dadurch wird die Halle jedoch auch zu einem Niedrigtemperaturbereich. Auf einen offenen Empfangstresen musste daher verzichtet werden, u.a. auch, weil die Halle nur indirekt über die Seitenflure bzw. ausströmende warme Luft aus den Büroräumen beheizt werden kann. Der Empfangstresen wurde aus diesem Grund nachträglich mit einer Zusatzverglasung versehen. Im Eingangsbereich Süntelstraße verschmelzen die optisch auffällige, bogenförmige Nordflanke mit der verglasten Eingangshalle und den geometrischen Büroriegeln, wodurch einerseits ein baulicher Kontrast hervorgerufen wird, andererseits sich das Gebäude dem Straßenverlauf im Kreuzungsbereich anpasst. Von der Flächennutzung des Baugrundstückes her betrachtet wurde der Gesamtkomplex bis auf einen Grünstreifen sowie einem großflächig angelegten Fußweg weitestgehend an die Straßenlinie herangebaut, wodurch im hinteren Teil großzügige Ausgleichsflächen sowie ein Parkplatz entstehen konnte. Diese Anordnung erfolgte als bewusster Kontrast zu den benachbarten Verwaltungsgebäuden (Finanzdirektion, Arbeitsagentur), deren Gebäudekomplexe sich jeweils eher in der Mitte der jeweiligen Parzelle befinden. Städtebaulich betrachtet soll das Kreishaus damit an die bauliche Struktur der nördlichen Neustadt anschließen. Unter Einbezug der Geschossanzahl soll dabei eine gedanklich flach gelegte Fassade ungefähr in der Straßenmitte anliegen.
Im dem bogenförmigen Bauteil befinden sich Kernbereiche der Verwaltung wie großer und kleiner Sitzungssaal, Besprechungsräume sowie die Personalcafeteria. Augenfällig ist hier die Konstruktion der außenseitig angebrachten Beschattungsanlagen. Sie erinnern mit ihren vielen Verstrebungen und Seilen an eine Segelkonstruktion und soll damit an die Tradition Hameln als Hafenstadt anschließen.
Die blau bis grün abgesetzten Jalousien werden je nach Sonnenstand und Windgeschwindigkeit automatisch gesteuert. An verschiedenen Stellen wird die Windgeschwindigkeit von Sensoren gemessen, daraus Mittelwerte sowie spezielle punktuelle Belastungen ermittelt und anschließend die Gesamtanlage oder auch einzelne Jalousien gesteuert. Die keilförmige Anordnung der Jalousien ist einerseits der Ausrichtung und den typischen Sonnenständen geschuldet, andererseits ermöglicht sie den Gebäudenutzern auch im heruntergefahrenen Zustand einen seitlichen Ausblick auf die Straße. Beschattungsanlagen der Büroräume sowie die Jalousiesteuerung sind Teil der Gesamtklimatisierung des Gebäudes, das weitestgehend ohne raumlufttechnische Anlagen auskommt. Da ökologische Standards frühzeitig in die Planung integriert wurde, basieren Heizung und Kühlung auf den Hauptkomponenten der Beschattungsautomatik, der fixen bedruckten Schattenelementen aus Glas, der gezielten Sonnenaufheizung, einer konventionellen Zentralheizung sowie einer mittel Grundwasser gespeisten Deckenkühlung. Lediglich für die Sonderräume (Besprechung, EDV-Zentrale) kommen elektrische Klimatisierungsmaßnahmen zum Einsatz.
Neben den ökologischen Vorteilen sorgt dieses Konzept auch für geringere Krankheitsausfälle, z.B. durch zu kalt eingestellte Klimaanlagen. In den Räumen können außerdem die Fenster jederzeit manuell geöffnet werden, ferner sorgen zwecks Spritzschutz mit Metallgittern verkleidete Fensterschlitze für eine Dauerbelüftung, um beispielsweise im Sommer über Nacht kühle Luft einströmen zu lassen. Das Gebäudeklima folgt insgesamt der jahreszeitlichen Tendenz, wobei Wärme- und Kältespitzen vermieden werden.
Gliederung und Aufbau des Gebäudes Wie sich aus dem Grundriss ergibt gliedert sich der Gebäudekomplex in die geschwungene Nordflanke als formalem und verwaltungstechnischem Schwerpunkt, die Eingangshalle sowie die gestaffelt angeordneten fünf Riegel unterschiedlicher Länge, in denen die Büroräume untergebracht sind. Verbunden werden all diese Teile durch eine Flurlinie als Hauptverbindungsstraße in allen Geschossen. Am Kopf der Riegel zur Straße hin sowie jeweils am Ende befinden sich die Treppenhäuser mit einer Oberlichtkonstruktion, die auch als Rauchabzug dient.
Jeder Büroriegel ist um 50 Meter erweiterbar, ohne dass ein zusätzliches Treppenhaus (Fluchtwege) eingeplant werden müsste. Mit zusätzlichen Treppen sind der Erweiterbarkeit nur durch die Grundstücksgröße Grenzen gesetzt, theoretisch könnte der gesamte Bau auf dem vorhandenen Gelände in gespiegelter Form an die Riegel angesetzt werden. Dieser bauliche Vorzug gab bei der Wahl des Angebotes mit Blick auf verwaltungstechnische Umgliederungen (z.B. Kreis Weserbergland) mit den Ausschlag.
Im hinteren Grundstücksbereich befinden sich Naturflächen mit Gräsern, Bäumen, einem Teich sowie dem Mitarbeiterparkplatz. Somit eröffnet sich in den nach hinten gelegenen Büroräumen ein Blick ins Grüne, obwohl das Verwaltungsgebäude mitten in der Stadt liegt. Ferner werden alle auf den Dächern aufgefangenen Regenwassermengen in den Teich eingeleitet. Die Pflasterung der Wege und Fahrbahnen verfügt über wasserdurchlässige Fugen, so dass der Versiegelungswert des Gesamtgrundstückes gegen Null tendiert.
Die Riegel beherbergen teils in sich geschlossene Abteilungen und bilden die Verwaltungsgliederung ab, wobei die besuchsintensiven Bereiche jeweils im Erdgeschoss liegen und nicht (wie sonst) über Teppichboden verfügen. Sollten Umstrukturierungen vonnöten sein, können alle Innenwände in den Riegeln verändert und dadurch neue Büroräume geschaffen werden. Für die Zwischenwände (Systemwände in Ständerbauweise mit Holz- und Kunststoffoberflächen), Abschlussschwerte und Türen (teils mit Schall-Ex) gelten exakt definierte Vorgaben zur Isolierung.
Der Fußboden ist in allen Räumen aufgeständert, so dass Daten- und Versorgungskabel jederzeit umgelegt werden können. Die Größenbemessung der Büroräume (Doppel- und Einzelarbeitsplätze) orientiert sich an den üblichen Vorgaben zur Arbeitsplatzergonomie.
Alle Verkehrsflächen und Flure sind mit einer indirekten Beleuchtung ausgestattet, die Büroräume selbst mit einer standardisierten Direkt-Indirekt-Leuchtstoffeinheit. Auf eine Regulierung wurde mit Blick auf technische Anfälligkeit verzichtet. An den Fenstern befinden sich zusätzlich bewegliche Beschattungsmöglichkeiten in Form von Rollos, die mit Schleuderstäben individuell angepasst werden können. Innenausstattung der Sonderräume Der große und kleine Besprechungsraum sind mit einem hartversiegelten und kratzunempfindlichen Holzparkett ausgestattet. Die Wände sind mit Holz (teils mit maschinellen Intarsien) sowie Schall schluckenden Stoffelementen (schwarz) verkleidet, so dass die Räume trotz der harten Materialität über eine angemessene Akustik (kaum Halleffekt) verfügen.Die Decke ist mit Metallkassetten abgehängt, unter der sich elektronische Einrichtungen verbergen.
Bei der Größenbemessung der Räume wurde berücksichtigt, dass im Kreishaus niemals der gesamte Kreistag, sondern nur einzelne Ausschüsse und Delegierte zusammentreten. Der Kreistag tritt weiterhin in einer Schulturnhalle zusammen, um die Kostenkalkulation für das Kreishaus nicht zu sprengen.
Der kleine Sitzungssaal ist den Elitebeamten und Führungskräften vorbehalten, verfügt über eine hochwertige Ledergarnitur sowie zahlreiche Sonderanfertigungen, u.a. der Sitzungstisch oder die Beleuchtungseinheit. Im dritten Stock des rundlichen Nordteils befindet sich die Personalcafeteria bzw. der Sozialraum. Von dort aus genießen die Angestellten einen großzügigen Ausblick über die Stadt. Mit Blick auf die benachbarte Großkantine des Arbeitsamtes wurde nur eine Regenerationsküche eingebaut (u.a. kein Fettabscheider, kein autonomer Versorgungsbetrieb, sondern Anlieferung auf Bestellung).
Wollen Sie ihre Meinung zu diesem Text kundtun? Dann schreiben Sie bitte hier ins Gästebuch!
© Frank Kretschmann, Hameln. 2004-2009. |